Di

11

Okt

2011

Der Nationalstolz, Simon Bolivar und die Quinta de San Pedro Alejandrino

Alle Fotos sind durch anklicken vergrößerbar.

Simon Bolivar gilt als der Befreier von den spanischen Besatzern und Integrationsfigur für den ausgeprägten Nationalstolz der Kolumbianer. Und dieser Nationalstolz wird ohne Scheu zur Schau gestellt, gehört zum täglichen Leben.

gelebter Nationalstolz
gelebter Nationalstolz

Sobald die Nationalhymne ertönt - und die ist im Radio und im Fernsehen häufiger am Tage zu vernehmen - halten die Menschen inne. Vielfach wird mitgesummt oder leise mitgesungen, das Gefühl ist in den Menschen verankert und vereint das ganze Land - egal welche Bevölkerungsschicht.

 

Und dies alles ohne ein Fußballspiel, für uns Deutsche eine völlig neue Erfahrung !

Simon Bolivar

Bolivar wurde am 24. Juli 1783 in Caracas, Venezuela, geboren und ist am 17. Dezember 1830 auf der Quinta de San Pedro Alejandrino, hier in Santa Marta, verstorben.

Der sehr gut ausgebildete junge Mann schloss sich einer Widerstandsbewegung an, die am 19. April 1810 die Selbstverwaltung Venezuelas verkündete. Nach Rückschlägen und einer Flucht nach Cartagena eroberte er 1813 nach mehreren Schlachten Caracas von den Spaniern und rief die Zweite Venezolanische Republik aus. 1814 befreite er auch Bogota, musste aber in der Folge mehrere militärische Niederlagen einstecken und floh nach Jamaica und Haiti. 1819 landete er mit frischen Truppen erneut in Venezuela. Nach weiteren militärischen Siegen verkündete er 1821 die Republik Großkolumbien in den Grenzen von Neu Granada (Kolumbien und Panama) sowie den Provinzen Ecuador und Venezuela, deren erster Präsident er auch wurde.

Zusammen mit dem argentinischen General José de San Martín befreite er danach auch die Provinz Alt-Peru von der spanischen Besatzungsmacht. Am 25. August benannte sich das Land nach dem Befreier in Bolivien um. Bolivar, zwischenzeitlich auch Diktator des Landes, arbeitete die Verfassung aus und versuchte diese auch in Großkolumbien zu übernehmen.

Politische Konflikte, Unruhen und ein gescheitertes Attentat führten am 27. April 1830 zum Rücktritt Bolivars von allen seinen politischen Ämtern. Er zog sich auf die Quinta de San Pedro Alejandrino zurück, ein Anwesen hier in Santa Marta, wo er am 17. Dezember 1830 verstarb.

Als Todesursache wurde Tuberkulose angegeben, neueste Untersuchungen der Universität von Maryland zeigen aber eine Arsenvergiftung. Ob ein weiteres Attentat erfolgreich war oder das Gift bei der Behandlung spezieller Krankheiten überdosiert wurde, wird vielleicht für immer im Dunkeln bleiben.

Er war Zeitgenosse von Alexander von Humboldt, dem er auf einer Europareise persönlich begegnet ist und der in Südamerika, auch heute noch, ein sehr großes Ansehen genießt.

Die Quinta de San Pedro Alejandrino in Santa Marta

Die Finca ist ein Nationalheiligtum, jeder Kolumbianer muss mindestens einmal im Leben diesen Ort besucht haben.

Der Komplex der Quinta umfasst 15 Hektar trockenen Tropenwald und 7 Hektar bebaute Fläche, unterteilt in ein Mausoleum mit Denkmal, in Verwaltungs-, Ausstellungs- und Verkaufsräume, die ursprünglichen Wohnräume, in denen Bolivar die letzten Monate verbrachte, und den botanischen Garten mit über 150 Pflanzenarten.

Diese Umgebung ist auch ein Paradies für kleine Papageien, Kolibris, Sperber, Eichhörnchen, Kaninchen, Leguane und ungiftige Schlangen.

Die Gebäude und Einrichtungsgegenstände, in denen Simon Bolivar seine letzten Jahre verbracht hat, sind aufwendig renoviert worden. Die Räume sind originalgetreu wiederhergestellt und geben einen guten Eindruck vom Leben in dieser Region Kolumbiens im 19. Jahrhundert. Teilweise sind sie für Besucher begehbar. 

Die Quinta de San Pedro Alejandrino befindet sich ca. 5 km außerhalb des Zentrums im Stadtteil Mamatoco an der Avenida del Libertador (Straße des Befreiers). Am Kreisverkehr mit der Calle 29, gegenüber dem Einkaufszentrum Bella Vista. Der Eintritt beträgt 10.000 Pesos, umgerechnet ca. 4 Euro.

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