Der Warnruf der "Großen Brüder"

Frank Semper

 

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Das Volk der Kogui ist davon überzeugt, dass sich das Herz der Erde in ihrer Heimat, der kolumbianischen Sierra Nevada, befindet. Und dass es für das Gleichgewicht dieses Planeten zuständig ist.

In letzter Zeit sind die „Großen Brüder“, wie sie sich selbst nennen, in großer Sorge: Ihre Beobachtungen legen nahe, dass die Welt bedrohlich aus der Balance geraten ist.

 

 

Ein Kogui-Mädchen aus Domingueka: Die Kinder besuchen inzwischen die Schule
Ein Kogui-Mädchen aus Domingueka: Die Kinder besuchen inzwischen die Schule. Foto: Peter van Agimael

 

 

Der Besuch eines Kogui-Dorfes ist wie eine Zeitreise: Es sieht hier noch immer so aus wie zur Zeit der großen Flucht vor 400 Jahren. Die Dächer der Hütten sind mit Wildgras gedeckt und oben immer zu zwei Hörnern gebogen – wie die Doppelgipfel der Sierra Nevada.

 

Der hagere Indigene mit den langen, verfilzten Haaren heißt Chimulata und ist ein „Mamo“, ein spiritueller Führer und Priester der Kogui. Als Erbe einer geheimnisvollen Epoche präkolumbianischer Kultur hütet der Schamane in dem ausgeblichenen, verschlissenen Umhang uraltes Wissen, als Empfänger verschlüsselter Botschaften aus bedrohter Natur aber treiben ihn prophetische Ahnungen eines Weltuntergangs in naher Zukunft um: Führt unser Weg, der Siegeszug der westlichen Zivilisation, ins Verderben und ist die Gefahr schon jetzt viel größer, als selbst die pessimistischen Experten glauben ?

 

 

Mamo Chimulata, Priester der Kogui
Mamo Chimulata, Priester der Kogui

 

 

Die Heiligtümer der Kogui sind die Berge, Bäume, Bäche und Flüsse ihrer Heimat, die sie als das „Herz der Erde“ begreifen. Nach dem Glauben der Ureinwohner dient die Natur der Sierra Nevada de Santa Marta der gesamten Menschheit. Wird sie zerstört, weil Staudämme gebaut, Bodenschätze ausgebeutet oder Wälder abgeholzt werden, drohen Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis nicht nur in der Nähe, sondern überall auf dem Planeten.

 

Der Prophet und die anderen Seher der Kogui sprechen nur mit Besuchern, die nach ganz bestimmten Riten ein umfassendes spirituelles Bekenntnis abgelegt haben. Der Weg zur Weisheit ist dennoch weit weniger beschwerlich als die Reise zu den Weisen selbst. Denn die Kogui, das am stärksten auf seine Traditionen beharrende indigene Volk Kolumbiens, leben in einem der am wenigsten erforschten und unzugänglichsten Orten der Erde.

 

 

Die Sierra Nevada de Santa Marta
Die Sierra Nevada de Santa Marta

 

 

Die „Schneebedeckte Sierra der Heiligen Marta“ ist das höchste Küstengebirge der Welt. Innerhalb von knapp 40 Kilometern erheben sich ihre Berge vom Strand auf über 5000 Meter. Von ihren Gipfeln fallen felsige Steilhänge, ziehen sich undurchdringliche Urwälder, schießen tosende Wildbäche und Flüsse ins Karibische Meer.

„Sie erhebt sich urplötzlich, wie ein festes Schloss“, schrieb Alexander von Humboldt 1801 über die Sierra. Der berühmte Entdecker bewunderte die „dichte Vegetation“ und „riesenmäßige Bäume“ - etwa den Esparve mit seinen schneckenförmig gebogenen Früchten und den Cuipo, dessen “ große, fünfflügelige Früchte Laternen aus geöltem Papier gleichen“. Sie werden bis zu 60 Meter hoch. In ihrem Schatten, so Humbolt, jagt der Jaguar Tapire, über der Kronenregion schweben Kondor und Harpyie, der sagenhafte Affenadler, einer der größten Greifvögel der Erde. Die eigentlichen Charaktertiere der südamerikanischen Tropen sind jedoch viel kleiner: „Das tägliche Botanisieren ab fünf Uhr früh würde“, klagte Humboldt am Saum der Sierra, „noch viel größeren Reiz gehabt haben, wenn in diesen furchtbaren und sumpfigen Gegenden wir nicht von den Mosquitos, Sancudos, Xegen und den unzähligen Arten Schnaken … so geplagt worden wären.“

 

Manchmal gehen auch Leute verloren – sei es, weil die üblichen Gefahren des Dschungels drohen; sei es, weil paramilitärische Verbände das schwer zugängliche Gebiet als erstklassiges Versteck nutzen. Kein Platz jedenfalls für touristische Erkundungen auf eigene Faust!

 

 

 

 

Für die Kogui ist das Gebirge wie ein menschlicher Organismus – mit den Gipfeln als Kopf, den Seen als Herz, den Flüssen und Bächen als Adern, den Böden als Muskeln und den Bäumen und Sträuchern als Haar. „Die große Mutter hat die Welt erschaffen und sie wie ein Ei geformt, das in neun Schichten unterteilt ist,“ erklärt uns Mamo Chimulata seine Welt. „Alle Dinge haben neun Väter und neun Mütter. Sintana war der erste Kogui und ein Sohn der großen Mutter. Er nahm die Sonne und setzte sie hoch ans Firmament. Sie schien neun Tage lang und verbrannte die Erde. Dann nahm er sich Seinake zur Frau, die über den Mond gebietet, und die Erde wurde fruchtbar.“

 

 

Die Heimat der kogui in der Sierra Nevada

 

 

Man könnte glauben, die Sierra Nevada de Santa Marta sei das nördlichste Ende der Anden, aber das ist sie nicht. Sie ist ein eigenständiger Gebirgsstock, der sich durch die Verschiebung der Karibikplatte nach Osten noch vor den Anden gebildet hat. Seine höchsten Erhebungen, der Pico Cristobal Colon und der Pico Simon Bolivar, mit jeweils 5775 Metern die höchsten Berge Kolumbiens, nehmen den Himmel auf die Hörner.

Im Nordosten reicht der Blick bis zur wilden, windigen Halbinsel Guajira. Im Norden liegt der fruchtbare Küstensaum, im Westen die „Ciudad Perdida“, "die verlorene Stadt.“. Dort herrschten einst die Ahnen der Kogui über Tayrona, das indianische Reich, das einst am Fuß der Sierra blühte, bis die spanischen Konquistadoren kamen. Das kleine Reich behauptete sich inmitten verschiedener Staatsgebilde der Chibcha, die viele Jahrhunderte lang vom heutigen Panama bis Bogota gediehen. Archäologen datierten Gräber aus dieser Epoche bis zurück ins fünfte Jahrhundert nach Christus.

 

Die Chibcha gelten als Ursache für den Völkermord an den Idigenen im 17. Jahrhundert: Sie waren begnadete Goldschmiede, zahlten mit Smaragden und opferten Menschen. Ihr oberster Herrscher, der Zipa, sollte als „Sohn der Sonne“ auch so glänzen. Deshalb wurde er bei der Inthronisierung am ganzen Körper mit Goldstaub bedeckt. Nach der Zeremonie wusch er sich im See von Guatavita und Untertanen warfen kostbare Opfergaben ins Wasser.

Die Geschichte von „El Dorado,“ „Dem Vergoldeten“ machte unter den Konquistadoren rasend schnell die Runde. Kein Wunder, das sie sich wie die Geier auf die „Goldküste“ stürzten, Gewehre und Seuchen töteten in der der Folge tausende Ureinwohner.

Die Vorfahren der Kogui flüchteten zur Großen Mutter in die Sierra. Dort lebten sie fortan in der typischen Armut der tropischen Wildnis.

Ihre „Hauptstadt“ in den Bergen wurde nie erobert; Pocken, Gelbfieber und andere Krankheiten aus der alten Welt entvölkerten sie. Urwald überwucherte die Ruinen, nicht einmal mehr Missionare interessierten sich noch für sie. Erst 1915 knüpfte ihnen der deutsche Ethnologe Konrad Theodor Preus wieder einen Kontakt zur Welt. Ihm folgte Jahrzehnte später der aus Salzburg stammende Anthropologe Gerado Reichel-Domatoff. Seine 1955 erschienene wissenschaftliche Beschreibung der Kogui-Kultur ist bis heute eine der profundesten Arbeiten zum Thema geblieben.

 

 

Die Schule in Domingueka: 200 Kinder lernen hier bis zur Reifeprüfung.
Die Schule in Domingueka: 200 Kinder lernen hier bis zur Reifeprüfung. Foto: Peter van Agimael

 

 

Nach einer Stunde Mopedfahrt mit unserem Führer Antonio steht ein Schild im Busch: Schule, Krankenstation. Ein beruhigender Anblick. Die Bauten aus rotem Backstein stehen dort, wo wir das Dorf Domingucka erwarten. Ernüchterung: Das soll ein Kogui-Dorf sein?

„Dort!“, sagt Antonio und zeigt auf die Anhöhe. Dann winkt er einen jungen Mann herbei. Er soll uns ein bisschen herumführen, während Antonio unseren Besuch ankündigt. Antonio weist den Burschen ein, aber erst nachdem er mit ihm Kokablätter getauscht hat. Es ist das klassische Begrüßungsritual: Jeder Kogui hat ein paar Handvoll Kokablätter dabei, in einem kunstvoll geknüpften Umhängebeutel. Das Statussymbol des erwachsenen Mannes ist der Poporo, ein ausgehöhlter Kürbis, der mit dem Kalk zerriebener Muscheln gefüllt ist. Im Hals des Gefäßes steckt ein langer Stab. Die Männer kauen die Kokablätter, befeuchten den Stab mit dem Mund, tauchen ihn in den Kalk und stecken ihn dann wieder in den Mund. Der Kalkstaub löst die Alkaloide in den Kokablättern und der Pflanzensaft wirkt wie ein starker Tee. Getrocknete, gelbgrüne Speichelspuren auf den Lippen zeigen an, wie oft und intensiv dieses Ritual ausgeführt wird.

 

 

Koguis bauen im Reserva Caoba eine Brücke auf traditionelle Art.

 

 

Der junge Kogui spricht Spanisch, hat Krankenpfleger gelernt und erklärt uns die Schule: 200 Kinder lernen hier bis zur Reifeprüfung, es gibt eine Bibliothek, Computer und Solarstrom. Man kann sagen: Der Staat hat für seine Ureinwohner etwas übrig.

 

Das war nicht immer so. In den 1960er Jahren drangen gewalttätige Kolonisten in die Sierra ein. Sie besetzten die Felder der Kogui, vergewaltigten ihre Frauen und wieder brechen Seuchen aus. Erst der italienische Padre Emilio Cuchiella stoppte das Morden. 1986 gründen die Kogui mit der „Gonawindua Tayrona“ eine politische Organisation, die ihnen zum ersten Mal eine Stimme gibt, die auch gehört wird.

Trotzdem kommt es bald noch schlimmer: Die Vorläufer des Medellin-Kartells züchten auf versteckten Plantagen die Marihuana-Spitzensorte „Santa Marta Golden“, der berüchtigte Drogenbaron Pablo Escobar lernt hier sein Handwerk. Später bauten die Drogenbarone und auch die Guerilla der "FARC" Kokainfabriken in die Berge.

Und was machen die Kogui? Verfluchen sie die Weißen, wünschen sie ihren Bedrängern und Bedrückern Unheil? Keineswegs. Sie nennen die Mitbürger spanischer Abstammung, wie alle anderen Nicht-Indigene, „Kleine Brüder“. Sie selbst begreifen sich als „Große Brüder“, die verpflichtet sind den Kleinen zu helfen.

 

 

Alberto und seine Familie in Tungueka. Der Name des Dorfes bedeutet "Seht, ich übergebe euch den Berg."
Alberto und seine Familie in Tungueka. Der Name des Dorfes bedeutet "Seht, ich übergebe euch den Berg." Foto: Peter van Agimael

 

 

Antonio kommt zurück. Ein paar Schritte und wir sind in einer anderen Zeit: den Tagen der großen Flucht vor 400 Jahren. 40 Rundhütten, alle auf dickem Fundament. Die Wolkenbrüche des nächsten Tages mit ihren Schlammströmen zeigen warum. Wände aus Bambus und Zuckerrohr, dazwischen Quader aus Lehm. Dächer aus Wildgras, immer zu zwei Hörnern gebogen, so wie die Sierra mit ihrem Doppelgipfel. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm – nichts wärmt und kühlt besser. Statt Möbeln: Hängematten. Reichtümer gibt es hier nicht.

Männer und Frauen ackern auf dem Feld: Sie bauen Malanga und Yuka an, stärkehaltige Knollen. Daneben wachsen Kochbananen und Zuckerrohr. Antonio führt uns zu der einzigen rechteckigen Hütte. Die vier Seitenwände sind unten aus getrocknetem Lehm, oben aus – Luft! Die Türen müssen immer geschlossen sein, sagt Antonio. Sonst kriegen wir bald Besuch, vor allem von Hühnern und Schweinen. Auch Schlangen können kommen, auf Rattenjagd.

 

 

Blick in eine der Kogui-Hütten: Eine Frau ordnet Agavenfasern zur Herstellung einer Mochilla, der typischen Umhängetasche der Kogui.
Blick in eine der Kogui-Hütten: Eine Frau ordnet Agavenfasern zur Herstellung einer Mochilla, der typischen Umhängetasche der Kogui. Foto: Peter van Agimael

 

 

Ein Idigenendorf ist wie eine Bühne, jeder Beobachter wird im Handumdrehen selbst zum Objekt. Große Kinderaugen sehen beim Auspacken und Einrichten zu. Das Zeremonienhaus gleich neben dem Gästehaus hat Seitenwände aus Bast im Rhombenmuster. Innen stehen flache Bänke um vier Feuerstellen. Auf ihnen sitzen ausschließlich Männer beim Treffen mit Verwandten aus anderen Dörfern bis zum Morgengrauen. Am etwas kleineren Frauenhaus schmücken Zickzackmuster die Seitenwände.

Die Priester der Kogui thronen auf Steinsesseln unter einem großen Baum mit breiter Krone und blicken auf den schäumenden Rio Santa Clara. Der Name des Dorfes bedeutet „Heiliger Berg der guten Sachen“. Es liegt mitten auf einer magischen Verbindungslinie zwischen dem alten Hafenstädtchen Dibulla aus präkolumbianischer Zeit und den Zwillingsgipfeln der Sierra. Das macht die Suche mit Google Earth etwas leichter. Ein Klick und auf dem Monitor erscheinen sechs Fotos von den Hütten. Auch auf den Computern der Schule. Die Koguis wissen, dass die Welt sie auf dem Schirm hat.

Allerdings können Satelliten nicht mit Menschen reden, uns gelingt das erst nach einer Aufnahmezeremonie ein Dorf weiter, in Tungueka („Seht, ich übergebe euch den Berg“). Diesen Ort kennt Google nicht. Dort sitzen die Mamos auf gerundeten Granitblöcken, schieben die Stöcke in ihre Poporos, lecken die grüne Kalk-Kokapaste und konzentrieren ihre spirituellen Kräfte. Denn der Poporo ist ein Sonnentempel en miniature und ein Ebenbild der Sierra als Nabel der Welt. Der weiße Kalk, der sich im Laufe der Zeit um die Öffnung ansammelt, gleicht dem Schnee der Bergspitzen. Zugleich repräsentiert die Öffnung eine Vagina, in die der Stock als Phallus eindringt. Das Kokaritual hat viele Bedeutungen. Es dient auch als Kontaktaufnahme mit den Ahnen, den Brüdern, den Tieren und Pflanzen zur Diagnose der Welt.

Das Reinigungsritual will Besucher von negativen Energien befreien. Sie sollen dem Schlechten ihrer eigenen Welt entfliehen, damit sie sich ganz auf die Lehren der Kogui einlassen können. Nicht eben leicht für einen westlich geschulten Verstand mit seinen üblichen Zweifeln. Die Kogui denken anders: Sein und Sollen, für Europäer schmerzlich getrennt, sind in der indigenen Philosophie eins. Und Zeit verläuft nicht linear, sondern zirkular als ewiger Kreislauf von Leben und Tod.

 

 

Die Mamos von Tungueka: Kokablätter kauen und die spirituellen Kräfte konzentrieren
Die Mamos von Tungueka: Kokablätter kauen und die spirituellen Kräfte konzentrieren. Foto: Peter van Agimael

 

 

Das Ritual beginnt. Einer der jüngeren Mamos führt uns zu einer nahen Felsengruppe. Dort steht der älteste Priester mit dem Rücken zu uns und murmelt Beschwörungsformeln. Wir folgen den Anweisungen des jüngeren, lassen die ausgestreckten Arme kreisen und halten die gespreizten Finger über eine vertrocknete, schwarze, durchlöcherte Frucht. Erst jetzt sind Fragen möglich. Wie kamen die Kogui auf die Welt? „Am Anfang war die Welt ohne Geister, ohne Mond, Wasser, Bäume, Lehm, all das ist weiblich“, übersetzt Antonio die leicht kryptische Antwort des ältesten Weisen. „Die Felsen verwandelten sich in Tiere. Als der Wurm geboren wurde, fehlten immer noch die Menschen. Da versammelten sich die neun Väter und schufen neun Männer und neun Frauen …“

 

Wer jetzt erhellende Erläuterungen erhofft, wird enttäuscht: Mamos erklären selten etwas. Land und Leben der Indigenen sind in den Gesetzen der Natur festgeschrieben, in den Lagunen, den Steinen, den Bergen, dem Schwirrflug der Kolibris, dem Wind. Die Mamos erkennen und verstehen den Geist dieser Gesetze und nutzen sie als Leitfaden für die Erziehung ihrer Kinder, für ihren sozialen Zusammenhalt, für die physische und spirituelle Existenz jedes Einzelnen. Und auch für die „Kleinen Brüder“ überall auf der Welt. Jeder Teil des Lebens folgt einem festen Plan, einem unabänderlichen Gesetz. Alles ist zugleich materialisierter Geist und Geist gewordene Materie - „Aluna“, wie die Kogui sagen.

 

Der Rest ist von jenem trotzigen Selbstbewusstsein, das über die Jahrhunderte die kulturelle Anpassung an die kolumbianische Mehrheitsbevölkerung verhinderte: Nur die Mamos können die verletzte Natur heilen, Katastrophen abwenden und Krankheiten überwinden. Nur wenn die Sierra Nevada de Santa Marta unversehrt erhalten bleibt, kann die Menschheit genesen.

 

 

Wolkerbruch in Tungueka: Gut, dass die Hütten stabile Fundamente haben
Wolkerbruch in Tungueka: Gut, dass die Hütten stabile Fundamente haben. Foto: Peter van Agimael

 

 

Kolumbien ist reich an Rohstoffen. Seine Schätze wecken Begehrlichkeiten. Die Kogui und die anderen indigenen Völker wehren sich gegen diese Form von Fortschritt. In ihren Augen zapfen Bergwerke der Mutter Erde das Blut ab. Das Wasserkraftwerk am Rio Rancheria, das die Karibikküste mit Strom versorgt, ist für sie ein gefährlicher Eingriff in die Balance der Natur. Obwohl seit seinem Bau die verheerenden Überschwemmungen ausbleiben. Vor allem wehren sich die Kogui dagegen, dass sie an vielen Orten keine Opfergaben („Pagamentos“) mehr darbringen können. Sie fordern auch die Rückgabe der Goldschätze aus dem Tayrona-Reich aus dem Nationalmuseum in Bogota. Dort seien sie hinter Glas eingesperrt und niemand nähre sie. Ihr Fehlen störe das Gleichgewicht in der Sierra. Schon schmelze das Eis auf den Gipfeln, falle weniger Schnee, dursteten die Bäche.

 

Erreicht haben Kolumbiens Indigene immerhin, dass die Regierung viele Ansprüche sowie die traditionellen Landrechte inzwischen anerkennt. Ihre 788 Reservate sichern ihnen heute fast ein Drittel des Staatsgebiets. Allerdings ist nur ein Zehntel der Fläche nutzbar.

10.000 Kogui leben heute in der Sierra. Die Jüngeren sprechen Spanisch und suchen einen Weg in die neue Zeit ohne ihre Wurzeln zu kappen. „Ein Kogui“, beschreibt Juan Mamatakan, lange Jahre Gobernador in dem Reservat, die Herausforderung, „muss heute sowohl in seinen Traditionen als auch im westlichen Sinne perfekt ausgebildet sein.“

 

 

Die Sierra bei Sonnenaufgang
Die Sierra bei Sonnenaufgang

 

 

Die Mamos werden darauf achten. Und auch auf die Menschen fern ihrer Berge. „Unsere Kleinen Brüder zerstören die Welt“, sagt Mamo Chimulata zum Abschied. „Die Schöpfung darf nicht ausgebeutet werden, sonst gibt es Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flutkatastrophen.“

Die Mamos sind nun entschlossen, diese Botschaft in der ganzen Welt zu verbreiten. Zurück in der Zivilisation zeigt schon der erste Blick in die Zeitung, dass die Propheten der Sierra womöglich näher an der Wahrheit sind als so mancher wissenschaftlicher Zweifler.

 

 

 

 

Dieser Artikel ist in der Juniausgabe des Magazins "Terra Mater" erschienen.

 

Autor ist Dr. Frank Semper, Kolumbienexperte und Autor des Reiseführers "Kolumbien Reisekompass" aus dem Sebra Verlag.

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Andrea Janser (Sonntag, 03 August 2014 11:35)

    Danke für den spannenden Beitrag, ich habe vorher noch nie von den Kogui gehört. Im Februar 2015 werde ich das erste Mal nach Kolumbien fliegen, ich freue mich riesig und werde die Worte der Kogui in meinem Herzen tragen. Kleine Schwester grüsst grosse Brüder...

  • #2

    Nicolas Falk (Samstag, 14 März 2015 01:37)

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit . Nun ist es an der Zeit die Fragen gerne auch auf Deutsch zu beantworten wenn Ihr fragen habt ich bin dem lebendigem Wissen der lebendigen Schöpfung immer gerne zu Diensten .
    Wir sind das Volk der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien .

    Auf vier Säulen steht unser Universum .

    Vier Stämme , vier Völker sind die Säulen unserer Tayrona Kultur der Ikuss der Sierra Nevada de Santa Marta Kolumbiens .

    WIWAS KANKUAMOS

    ARHUACOS KOGIS

    Wir sind Tayronas , Wir sind Ikus und wir sinn Sinnbild des Seins und des Lebens an sich .

    Wir bieten euch dass Wasser des Lebens an welches die Seele erfrischt wie prickelndes Nass sowie genussvoll ist wie eine köstliche Frucht und Stärkend und lebenspendend wie Mais .

    Wir sind wie ein Gemaltes Abbild unserer Vorfahren und Wir Wir bieten nun aus Ihnen das Wasser des Lebens an , Die Weisheit des lebendigen Heiligen Geistes .
    Die Weisheit wird als köstliche Frucht genossen und ist genauso wichtig wie Mais , Brot und Wasser für des Leben.
    Wir sind wie lebende Aquarelle unserer Vorfahren und wir fließen frei in die Zukunft ,denn wir sind wie ein leuchtendes geheimnisvolles allumfassendes Wasser, ja das Geheimnis des Wasser sind Wir selbst in Uns . In Uns ist das Wasser des Lebens . Denn Deren Wasserquellen sind Wir ,
    geboren aus
    Genialer ewiger Energie schöpferischer Liebe , geformt durch den Glauben an das ewige Leben unserer Kinder und Kindeskinder in einer lebendigen ewigen göttlichen Schöpfung .
    Wasser bedingt das Leben, wir bewässern unsere Kinder, wir tranken das Wasser unserer Großeltern, nun sind Wir wie Vögel die aus dem Wasser steigen in die Morgenröte
    Und in Stiller Macht steigen Wir aus der Nacht Und hoffen Ihr kommt um zu sehen , was alles noch offen steht , und auch was eigentlich jedem von Geburt an zusteht und staunt was wir alles bekommen können in einer liebevollen Gemeinschaft zu Mutter Erde .
    Wir beten , Wir hoffen dass Ihr
    den Wert eines jeden einzelnen Tropfen Lebendigen Lichtes ..erkennen könnt
    , nur so könnt Ihr In das Geheimnis der Lichter Seen tauchen ... und den Grund der Weisheit erahnen .

    Für Dich für alle und für uns Für aller Augen Ohren Körper Genuss Geist und Seele sowie für den Universellen Ökosozialen Frieden auf Erden und Faires Handeln in allen Disziplinen .

    Denn Für was Leben Wir den Eigentlich ?
    Wer hat sich noch nicht diese Frage gestellt ?

    Wer lebt und liebt, und das Leben liebt, wird niemals sterben wollen und sieht Sich in der Gemeinschaft des Lebendigen Geistes des Lebens. Denn Wir sind ein Leben .
    ich bin das Leben , mein Name ist das Leben , Dein Name ist das Leben, denn Wir sind ein Geist und ein Körper , geboren aus unserer Mutter Erde, Geschaffen aus Liebe der ewigen Reinen Energie .

    Wer Augen hat der sieht es direkt , und wer Ohren hat der hört es unmittelbar .
    Aber Wer die Wahrheit nicht kennen mag und wem sein Herz weiterhin verhärtet ist , will und wird sie auch nicht erkennen wenn sie Eindeutig und klar vor Augen steht . Ohne Einsicht gibt es keine Klare Sicht .

    Wir dürfen Allerdings unseren Geschwistern weiterhin stehts klar zureden und sie weiterhin darüber Aufklähren was Sache ist .
    Ja auch und vor allem in der jeweils verständigen Sprache und AusdrucksForm .

    So ist es auch im christlich / jüdischem / muslimischen Heiligen Texten stehts klar dargestellt worden .
    Und dieses von Anfang an von der Genesis bis in die Apokalypse.
    (am Anfang bedeckte Wasser in der Tiefe alles . So ist Wasserstoff die Grundlage der Ersten Kernfusion und alle weitere Entwicklung des Universums , initiiert durch eine bis heute unerklärliche überdimensionale Kraft die zusammenbringt und neues Schaft und von der niemand weis woher sie kommt ( Gravitation ) . Aus dieser Grundlage wird alles andere unserer Materie geformt . Geformt mit den bekannten vier Grundkräften der Kosmologie . Gravitation , elektromagnetische Kraft , die starke atomare Wechselwirkung und die schwache Atomare Wechselwirkung .
    Und es werde Licht !

    !!! GENIAL !!!!

    Und dann entsteht daraus das Leben und macht es dem Vater der Urschöpfung nach und Codiert auch alles mit 4 ✌️✌️
    Ja Auch Beim Leben ist die Basis auf vier Beine gestellt . Vier Säulen halten das Firmament . Das gilt auch für das Universum des Lebens . Dort sind es Die vier Basenpaare der Desoxiribonukleinsäure kurz die DNS auf englisch Acid für Säure also DNA . Dort treten die vier Basen Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T) auf, diese werden deshalb auch als DNA-Basen bezeichnet.



  • #3

    Erika Grete (Montag, 07 November 2016 10:02)

    Ich bin in Kolumbien geboren, ich glaube an meine ältere Brüdern und Schwestern der Arhuaco Stammes. Ich verkünde diese Botschaft überall wo ich hingehe. Ich bin selber zuständig was zu verbessern in meine Umgebung. Ich helfe Tiere und Menschen in Not.
    Ich hatte eine seltenen Form von Krebs... sollte ich sterben..... DANK meine Familie in Nabusimake und all seine Rituale für meine Genesung sind die Metastasen verschwunden.