Vogelbeobachtung und Bestandsueberwachung in der Sierra Nevada de Santa Marta

Erfassung von Daten im Naturreservat "La Cumbre" in der Sierra Nevada de Santa Marta

Anfang August war es wieder so weit: Die Überwachung des Santa Marta Rotschwanzsittichs (Pyrrhura viricata) stand an. In regelmäßigen Abständen wird in Naturreservat "La Cumbre", in dem in den vergangenen Jahren durch Renaturierung und gezielter Anpflanzung von Futter- und Nistpflanzen der Lebensraum der stark gefährdeten Art wiederhergestellt wurde, der Erfolg dieses Projektes überprüft. Auf 2600 Meter Höhe, im Quellgebiet des Toribo, wurde unter der Leitung des Ornithologen Cristobal Navarro Daten über den Vogelbestand gesammelt.

Die Anfahrt - ein Abenteuer

Dieses Jahr steht im Zeichen des "El Niño" Phänomens. In der Sierra Nevada ist, seit fast drei Monaten, täglich mindestens ein starker Regenschauer niedergegangen. Die Erde ist aufgeweicht und kann kein Wasser mehr aufnehmen, Rinnsale haben sich zu reißenden Flüssen entwickelt und die großteils ungeteerten Straßen haben tiefe Rinnen erhalten. Während der dreieinhalbstündigen Fahrt von Santa Marta nach "La Cumbre" werden wir im Allrad-Toyota ordentlich durchgeschüttelt. Instinktiv versuchen die Fahrgäste, bei zu starken Schräglagen, durch Gewichtsverlagerung auf eine Seite, das Umkippen des Fahrzeugs zu verhindern. Bis auf eine Situation, in der sich das Fahrzeug in den sehr tiefen Spurrillen verkeilt hatte und nur durch vereinte Männerstärken befreit werden konnte, ging aber alles gut aus.

Am Eingang des Reservats angekommen wurde erst einmal das Schuhwerk  gewechselt - in Gummistiefeln ging es ca. 600 Meter abwärts zur Finca der Familie Vega mit dem Gästehaus.

Die Aufgabe

Und morgens um 4 Uhr ging es diese 600 Meter wieder bergauf. Bei gefühlten 8 Grad mit 2 Lampen für 5 Personen (der Autor hatte auch vergessen, seine Lampe einzupacken) richtig steil bergauf (das Gefälle des Geländes wird auf den Fotos gar nicht so richtig deutlich). Am Ziel wurden wir um 5.50 Uhr mit einer fantastischen Aussicht auf die Bergspitzen der Sierra Nevada in der aufgehenden Sonne belohnt.

Auf einer Lichtung befinden sich 4 frei stehende Bäume, die von den Santa Marta Rotschwanzsittichen offensichtlich als Kommunikationsplatz genutzt werden. Ab 6.30 Uhr trafen verschiedene Gruppen der Sittiche, jeweils zwischen 8 und 15 Vögeln, auf den Bäumen ein und blieben mindestens 15 Minuten. Zwischenzeitlich befanden sich, geschätzte, 80 Vögel der bedrohten Art auf den Bäumen. Aus größerer Entfernung entstand fast der Eindruck, dass die Bäume leben und sich bewegen! Und das lautstarke Gekreische der Vögel unterstützt diesen Eindruck. 

 

Dies war auch der richtige Ort für das Aufstellen der Vogelnetze. Im Laufe des Vormittags wurden verschiedene Exemplare, meist Rotschwanzsittiche aber auch andere Vogelarten, gefangen. Die Tiere wurden sofort aus den Netzen befreit, gewogen, vermessen, auf Parasitenbefall untersucht und wieder freigelassen. Alle Tiere haben diese Aktion unversehrt überstanden! Auch der Biologe Juan Fernando Alzate und Jürgen Vega sind im schonenden Umgang mit den gefiederten Freunden geschult - keinem Exemplar wurde eine Feder gekrümmt. Die gewonnenen Daten sind wichtig für die Beurteilung der bisher durchgeführten Schutzmaßnahmen und die Planung weiterer Projekte.

Cristobal Navarro wird das Ergebnis dieser Überwachungen, die seit mehreren Jahren, mindestens sechs Mal jährlich, durchgeführt werden, in einem Artikel veröffentlichen. Eine Zusammenfassung dieses Artikels, in deutscher Übersetzung, werden Sie in diesem Blog lesen können.

Der Abstieg

Nach erneutem Abstieg zur Finca und dem Gästehaus, und einem herzhaften Abendessen, war der Abend recht kurz. Die Anstrengungen des Tages forderten ihren Tributt und am nächsten Morgen ging es um 4 Uhr, in Dunkelheit, Nässe und Kälte (10 Grad Celsius gilt hier als sehr kalt) wieder bergauf. Mittags wurde die Aktion, nach der Registrierung weiterer, seltener, endemischer Arten, beendet. Nach einem weitern, typischen Mittagessen bei der Familie Vega ging es eineinhalb Stunden bergab zum Treffpunkt mit Allrad-Fahrzeug. Bei der Abfahrt fühlte ich mich an Fernsehübertragungen von Offroadwettbewerben für Allradfahrzeuge erinnert. Der ortskundige und geübte Fahrer meisterte aber jede Klippe und Schräglage und nach drei weiteren Stunden erreichten wir, geschafft aber glücklich, wieder Santa Marta.

 

Gäste können an den nächsten Kontrollen im Oktober, im Dezember und im Februar teilnehmen, rechtzeitige Anmeldung sichert einen der drei bis vier Plätze. Besonders interressant für Studenten und engargierte Vogelkundler.

 

Im Zusammenhang mit diesem Beitrag stehen auch die Blogartikel "Das Reserva Natural La Cumbre in der Sierra Nevada", "Der Santa Marta Rotschwanzsittich", "Die Vögel von La Cumbre ", "Die Vögel von La Cumbre II" und der Ausflugstipp: Vogelbeobachtung im Naturreservat La Cumbre.

 

 

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